Schönheitsreparaturen – Abweichung von der bisherigen Ausführungsart
Bundesgerichtshof
Az: VIII ZR
199/06
Urteil vom
28.03.2007
Leitsatz:
Eine in
Allgemeinen Geschäftsbedingungen eines Wohnraummietvertrages enthaltene
Regelung, die dem Mieter die Verpflichtung zur Ausführung der
Schönheitsreparaturen auferlegt und bestimmt, dass der Mieter nur mit Zustimmung
des Wohnungsunternehmens von der "bisherigen Ausführungsart" abweichen darf, ist
auch dann insgesamt - und nicht nur hinsichtlich der Ausführungsart - wegen
unangemessener Benachteiligung des Mieters unwirksam, wenn die Verpflichtung als
solche und ihre inhaltliche Ausgestaltung in zwei verschiedenen Klauseln
enthalten sind (im Anschluss an Senatsurteil vom 22. September 2004 - VIII ZR
360/03, NJW 2004, 3775, unter II 1 c).
Der VIII. Zivilsenat des
Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 28. März 2007 für Recht
erkannt:
Die Revision der Klägerin gegen das Urteil der Zivilkammer 62 des Landgerichts
Berlin vom 29. Juni 2006 wird zurückgewiesen.
Die Klägerin hat die Kosten des Revisionsverfahrens zu tragen.
Von Rechts wegen
Tatbestand:
Die Klägerin war Vermieterin, der Beklagte Mieter einer Wohnung in B. . § 2 Abs.
3 des Mietvertrages lautete auszugsweise:
"Der Mieter hat außerdem nach Maßgabe der Allgemeinen Vertragsbestimmungen und
der Hausordnung
a) die Schönheitsreparaturen auszuführen (Nr. 5 und 12 AVB).
..."
Bestandteil des Mietvertrages waren auch die Allgemeinen Vertragsbestimmungen
(AVB) der Klägerin. Diese lauteten in Nr. 5 Abs. 2 Sätze 1 und 4:
"Schönheitsreparaturen sind fachgerecht auszuführen.
Der Mieter darf nur mit Zustimmung des Wohnungsunternehmens von der bisherigen
Ausführungsart abweichen."
Das Vertragsverhältnis endete zum 30. November 2004. Mit Schreiben vom 26.
November 2004 verlangte die Klägerin vom Beklagten unter anderem die
Durchführung von Schönheitsreparaturen unter Fristsetzung zum 10. Dezember 2004.
Wegen nicht durchgeführter Schönheitsreparaturen fordert die Klägerin nach
Ablauf der Frist Schadensersatz in Höhe von 1.879,81 EUR nebst Zinsen.
Das Amtsgericht hat die Klage abgewiesen. Die Berufung der Klägerin ist
erfolglos geblieben. Mit der vom Landgericht zugelassenen Revision verfolgt die
Klägerin ihren geltend gemachten Anspruch weiter.
Entscheidungsgründe:
I.
Das Berufungsgericht hat ausgeführt:
Die Klägerin habe keinen Anspruch auf Schadensersatz wegen unterlassener
Schönheitsreparaturen. Die Pflicht zu deren Durchführung sei nicht wirksam auf
den Beklagten übertragen worden. Die entsprechende formularvertragliche Regelung
benachteilige den Beklagten nach Treu und Glauben unangemessen und sei daher
gemäß § 307 BGB unwirksam. Zwar begegne die Übertragung der Pflicht zur
Ausführung von Schönheitsreparaturen für sich genommen keinen Bedenken.
Unwirksam sei jedoch die Allgemeine Vertragsbestimmung, wonach der Mieter nur
mit Zustimmung des Wohnungsunternehmens von der bisherigen Ausführungsart
abweichen dürfe. Diese Klausel sei unklar und benachteilige den Mieter
unangemessen. Aufgrund des Summierungseffektes sei neben der Regelung über die
Zustimmungsbedürftigkeit auch die formularmäßige Überwälzung der Pflicht zur
Vornahme von Schönheitsreparaturen unwirksam.
II.
Die zulässige Revision der Klägerin hat keinen Erfolg. Im Ergebnis zutreffend
hat das Landgericht einen Schadensersatzanspruch der Klägerin verneint. Der
Beklagte kann nicht erfolgreich wegen Verletzung der Pflicht zur Vornahme von
Schönheitsreparaturen in Anspruch genommen werden, weil diese Pflicht nicht
wirksam auf ihn übertragen wurde.
1. Zu Recht hat das Landgericht die Formularklausel Nr. 5 Abs. 2 Satz 4 AVB,
wonach der Mieter nur mit Zustimmung des Wohnungsunternehmens von der bisherigen
Ausführungsart abweichen darf, als unwirksam erachtet. Die Klausel ist unklar (§
305c Abs. 2 BGB) und benachteiligt in ihrer dem Mieter ungünstigsten Auslegung
die Vertragspartner der Klägerin entgegen den Geboten von Treu und Glauben
unangemessen (§ 307 Abs. 1 Satz 1 BGB).
Die Klausel ist deshalb unklar, weil nicht eindeutig ist, was unter
"Ausführungsart" zu verstehen ist. Dieser Begriff kann sich entweder auf die
Grundausstattung beziehen, auf die Ausgestaltung im Einzelnen oder auf beides.
Es ist mithin nicht zu erkennen, ob jegliche Veränderung zustimmungspflichtig
sein soll oder wo sonst die Grenze zwischen zustimmungspflichtigen und
zustimmungsfreien Veränderungen liegt (vgl. Langenberg, Schönheitsreparaturen,
Instandsetzung und Rückbau, 2. Aufl., 1. Teil B Rdnr. 76).
Ein Zustimmungsvorbehalt für jegliche Abweichung von der bisherigen
"Ausführungsart" - beispielsweise die Wahl eines abweichenden Farbtons des Wand-
oder Deckenanstrichs oder einer anderen Tapetenart (vgl. Langenberg aaO) - würde
den Mieter unangemessen in der Möglichkeit beschränken, sich in der Mietwohnung
nach seinem Geschmack einzurichten, ohne dass für eine so weitgehende
Beschränkung ein anerkennenswertes Interesse des Vermieters zu erkennen ist
(ebenso Langenberg, aaO, Rdnr. 77). Da die Klausel schon aus diesem Grund der
Inhaltskontrolle nach § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB nicht standhält, bedarf keiner
Entscheidung, ob sie sich darüber hinaus wie eine unzulässige
Endrenovierungsklausel auswirkt (so das Berufungsgericht unter Berufung auf
Langenberg, aaO, Rdnr. 75) und auch deswegen nach § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB
unwirksam ist.
2. Folge der unangemessenen Einengung des Mieters in der Art der Ausführung von
Schönheitsreparaturen ist die Unwirksamkeit der Abwälzung der Pflicht zur
Vornahme von Schönheitsreparaturen schlechthin. Denn die - bei isolierter
Betrachtung unbedenkliche - Verpflichtung zur Ausführung von
Schönheitsreparaturen wird durch die Festlegung auf die bisherige
"Ausführungsart" in ihrer dem Mieter ungünstigsten Auslegung inhaltlich dahin
ausgestaltet, dass der Mieter sich strikt an die bisherige "Ausführungsart" zu
halten hat, wenn er nicht für jede Abweichung um Zustimmung der Klägerin
nachsuchen will oder wenn die Zustimmung verweigert wird. Diese den Mieter
unangemessen benachteiligende Beschränkung seiner Gestaltungsmöglichkeit ließe
sich zwar durch die Streichung der Klausel Nr. 5 Abs. 2 Satz 4 AVB beseitigen.
Dies wäre indessen eine inhaltliche Veränderung der dem Mieter auferlegten
Pflicht zur Vornahme der Schönheitsreparaturen und damit der Sache nach eine
geltungserhaltende Reduktion der unangemessenen Formularvertragsregelung, die
auch dann nicht zulässig ist, wenn die Verpflichtung als solche und ihre
inhaltliche Ausgestaltung wie hier in zwei verschiedenen Klauseln enthalten sind
(vgl. Senatsurteil vom 22. September 2004 - VIII ZR 360/03, NJW 2004, 3775,
unter II 1 c).