Teilinklusivmiete - Erhöhung
Bundesgerichtshof
Az: VIII ZR
331/06
Urteil vom
10.10.2007
Leitsätze:
a) Bei
Erhöhung einer Teilinklusivmiete nach § 558 BGB braucht der Vermieter im
Mieterhöhungsverlangen zur Höhe der in der Miete enthaltenen Betriebskosten
keine Angaben zu machen, wenn auch die von ihm beanspruchte erhöhte
Teilinklusivmiete die ortsübliche Nettomiete nicht übersteigt.
b) Mieterhöhungen nach §§ 558, 559 BGB werden Bestandteil der Grundmiete und
sind deshalb bei späteren Mieterhöhungen nach § 558 BGB in die Ausgangsmiete
einzurechnen. Eine gegenteilige Parteivereinbarung gäbe dem Vermieter die
Möglichkeit zur Mieterhöhung über den in § 558 BGB vorgesehenen Rahmen hinaus
und ist deshalb gemäß § 558 Abs. 6, § 557 Abs. 4 BGB wegen Benachteiligung des
Mieters unwirksam.
c) Gibt der Vermieter in einem Mieterhöhungsbegehren nach § 558a BGB eine
unzutreffende Ausgangsmiete an, weil er die gebotene Einrechnung einer früheren
Mieterhöhung in die Ausgangsmiete unterlässt, führt das nicht zur formellen
Unwirksamkeit des Mieterhöhungsbegehrens und zur Unzulässigkeit einer vom
Vermieter daraufhin erhobenen Zustimmungsklage; das Mieterhöhungsbegehren ist
jedoch unbegründet, soweit die begehrte Miete unter Hinzurechnung der früheren
Mieterhöhung die ortsübliche Vergleichsmiete übersteigt (im Anschluss an BGH,
Urteil vom 12. November 2003 - VIII ZR 52/03, NJW 2004, 1379, unter II 2 b und
Urteil vom 19. Juli 2006 - VIII ZR 212/05, NJW-RR 2006, 1305, unter II 2 a, b).
Der VIII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung
vom 10. Oktober 2007 für Recht erkannt:
Auf die Revision der Klägerin wird das Urteil der 21. Zivilkammer des
Landgerichts Düsseldorf vom 23. November 2006 aufgehoben.
Die Berufung der Beklagten gegen das Urteil des Amtsgerichts Düsseldorf vom 29.
Juli 2005 wird zurückgewiesen.
Die Beklagten tragen die Kosten der Rechtsmittelverfahren.
Von Rechts wegen
Tatbestand:
Die Beklagten haben von der Klägerin eine 138,96 qm große Wohnung in Düsseldorf
gemietet. Ab 1. März 1995 verlangte die Klägerin zusätzlich zur bisherigen (Teilinklusiv-)Miete
von 575,50 EUR monatlich und den vereinbarten Nebenkosten (Heizung, Be- und
Entwässerung sowie Antennenanlage) einen so genannten Wertverbesserungszuschlag
in Höhe von 36,26 EUR. Die Beklagten entrichteten in der Folgezeit den sich
unter Berücksichtigung dieses Zuschlags ergebenden monatlichen Gesamtbetrag.
Mit Schreiben vom 28. Oktober 2004 begehrte die Klägerin Zustimmung zur Erhöhung
der "Nettomiete" von bisher monatlich 575,50 EUR - zuzüglich der Kosten für Be-
und Entwässerung, Heizkostenvorauszahlung, Wertverbesserung und Kabelgebühren
wie bisher - auf monatlich 690,60 EUR mit Wirkung ab dem 1. Januar 2005. Dabei
führte sie aus, dass auf die Wohnung der Beklagten durchschnittliche
Betriebskosten von 0,67 EUR je qm entfielen. Die ortsübliche Vergleichsmiete
(Nettomiete) hat die Klägerin in ihrem Mieterhöhungsverlangen mit 5,80 EUR
angegeben; dem sind die Beklagten nicht entgegengetreten.
Die Beklagten stimmten der Mieterhöhung nicht zu. Das Amtsgericht hat die
Beklagten verurteilt, der Mieterhöhung entsprechend dem Mieterhöhungsverlangen
der Klägerin von 28. Oktober 2004 zuzustimmen, das Landgericht hat die Klage
abgewiesen. Mit der vom Berufungsgericht zugelassenen Revision erstrebt die
Klägerin die Wiederherstellung des amtsgerichtlichen Urteils.
Entscheidungsgründe:
I.
Das Berufungsgericht hat zur Begründung seiner Entscheidung ausgeführt:
Der Klägerin stehe ein Anspruch auf Zustimmung zur Mieterhöhung nicht zu, weil
es bereits an einem formell wirksamen Mieterhöhungsverlangen fehle, dieses
jedenfalls nicht hinreichend begründet sei.
Gemäß § 558a BGB sei das Erhöhungsverlangen dem Mieter in Textform zu erklären
und zu begründen. Die Begründung solle dem Mieter die Möglichkeit geben, die
sachliche Berechtigung des Erhöhungsverlangens zu überprüfen und auf diese Weise
überflüssige Prozesse zu vermeiden. Diesem Erfordernis werde das
Mieterhöhungsverlangen der Klägerin nicht gerecht, weil es sich auf einen
lediglich Nettokaltmieten ausweisenden Mietspiegel stütze, jedoch ungeachtet der
zwischen den Parteien vereinbarten Teilinklusivmiete keine überprüfbaren Angaben
zu den konkreten Betriebskosten der Wohnung im letzten Abrechnungszeitraum
enthalte. Die Berechnung der Vergleichsmiete anhand von Durchschnittswerten
stelle keine gleichwertige Berechnungsmethode dar.
Es sei unerheblich, dass die von der Klägerin geforderte Bruttomiete die
Nettomiete des Mietspiegels unterschreite. Zwar komme es bei dieser
Konstellation für den Mieter nicht auf die Möglichkeit an, im Einzelnen
nachvollziehen und überprüfen zu können, wie sich der Anteil seiner Nettomiete
zu der im Mietspiegel verhalte. Das zum Schutz des Mieters streng förmlich
ausgestaltete Mieterhöhungsverfahren gestatte insoweit jedoch keine Ausnahme.
Vor diesem Hintergrund könne auch die von den Parteien umstrittene Frage
dahinstehen, ob durch das Mieterhöhungsbegehren vom 28. Oktober 2004 die
Struktur des Mietverhältnisses verändert oder diese Änderung bereits bei der
letzten Mieterhöhung zum 1. März 1995 vorgenommen worden sei.
II.
Diese Beurteilung hält der rechtlichen Nachprüfung nicht stand. Das
Mieterhöhungsverlangen der Klägerin vom 28. Oktober 2004 ist formell wirksam und
auch materiell begründet.
1. Im Ansatzpunkt zutreffend ist das Berufungsgericht davon ausgegangen, dass
die dem Vermieter gemäß § 558a BGB obliegende Begründung des
Mieterhöhungsverlangens dem Mieter die Möglichkeit geben soll, die sachliche
Berechtigung des Erhöhungsverlangens zu überprüfen und auf diese Weise
überflüssige Prozesse zu vermeiden; zur Erreichung dieses Zwecks müssen dem
Mieter alle Faktoren bekannt gegeben werden, die für die Mieterhöhung von
Bedeutung sind (Senatsurteil vom 25. Februar 2002 - VIII ZR 116/03, NZM 2004,
380, unter II 1). Dem Berufungsgericht ist ferner darin beizupflichten, dass der
Anspruch des Vermieters auf Zustimmung zu einer Erhöhung der Bruttokaltmiete (Teilinklusivmiete),
den er - wie hier die Klägerin - mit einem Mietspiegel begründet, der
Nettomieten ausweist, anhand der zuletzt auf die betreffende Wohnung
entfallenden Betriebskosten und nicht auf der Grundlage eines durchschnittlichen
(pauschalen) Betriebskostenanteils zu beurteilen ist (Senatsurteile vom 26.
Oktober 2005 - VIII ZR 41/05, NZM 2006, 101, unter II 1 b bb (2); vom 12. Juli
2006 - VIII ZR 215/05, NZM 2006, 864, unter II 2; vom 23. Mai 2007 - VIII ZR
138/06, NJW 2007, 2626, unter II 1).
2. Entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts hat die Angabe eines pauschalen
Betriebskostenanteils im Erhöhungsverlangen aber nicht zur Folge, dass das
Erhöhungsverlangen bereits aus formellen Gründen unwirksam ist. Die Frage, ob
der angegebene Betriebskostenanteil (auch im Ansatz) zutreffend ist, betrifft
nicht die formelle Ordnungsmäßigkeit des Erhöhungsverlangens, sondern allein
dessen materielle Berechtigung (Senatsurteil vom 12. Juli 2006, aaO, unter II 1
b).
Wie auch das Berufungsgericht nicht verkennt, kommt es ohnehin auf die Höhe der
in der Miete enthaltenen Betriebskosten dann nicht an, wenn - wie hier - selbst
die erhöhte Teilinklusivmiete noch unterhalb der ortsüblichen Nettomiete liegt.
Der Mieter benötigt in einem solchen Fall keine Angaben zu den Betriebskosten,
um die Berechtigung des Erhöhungsverlangens zu prüfen. In einem solchen Fall
führen unzutreffende Angaben des Vermieters zu den Betriebskosten - anders als
das Berufungsgericht meint - weder zur formellen Unwirksamkeit des
Mieterhöhungsverlangens, noch stehen sie der materiellen Begründetheit des
Zustimmungsbegehrens entgegen.
3. Das Urteil des Berufungsgerichts erweist sich auch nicht aus anderen Gründen
als richtig (§ 561 ZPO). Entgegen der Rüge der Revisionserwiderung ist das
Mieterhöhungsverlangen der Klägerin nicht wegen einer damit verbundenen
unzulässigen Änderung der Mietstruktur bereits formell unwirksam.
Zwar ist nach wohl allgemeiner Meinung in der Literatur und der Rechtsprechung
der Instanzgerichte ein Mieterhöhungsverlangen dann unwirksam, wenn der
Vermieter damit weitere von ihm erstrebte Änderungen des Mietvertrags - z.B. der
Mietstruktur - verknüpft, so dass der Mieter mit der Zustimmung zur Mieterhöhung
gleichzeitig die weitere Vertragsänderung annähme (LG Hamburg, WuM 1987, 86; LG
Köln, WuM 1992, 255; LG Wiesbaden, WuM 1991, 698; LG München, WuM 1995, 113;
vgl. auch OLG Hamburg, WuM 1983, 49; Schmidt-Futterer/Börstinghaus, Mietrecht,
9. Aufl., § 558a Rdnr. 17; Schultz in Bub/Treier, Handbuch der Geschäfts- und
Wohnraummiete, 3. Aufl., III. A Rdnr. 332; MünchKommBGB/Artz, 4. Aufl., § 558a
Rdnr. 10; Schmid/Riecke, Mietrecht, § 558a Rdnr. 9). Ob dieser Auffassung
uneingeschränkt zu folgen ist, bedarf hier keiner Entscheidung. Die Klägerin hat
mit ihrem Mieterhöhungsverlangen vom 28. Oktober 2004 keine vertragliche
Abänderung der Mietstruktur begehrt.
a) Die Auffassung der Revisionserwiderung, die Klägerin erstrebe mit der
begehrten Erhöhung der "Grundmiete" eine vertragliche Änderung der bisherigen
Mietstruktur der Teilinklusivmiete, trifft nicht zu. Denn aus der weiteren
Formulierung des Mieterhöhungsverlangens ergibt sich, dass die Beklagten (nur)
im bisherigen Umfang gesonderte Nebenkosten (Heizkosten, Be- und Entwässerung
sowie Kabelgebühren) tragen sollen, so dass sonstige Nebenkosten wie bisher in
der Miete enthalten sind.
b) Auch im Hinblick auf die Position "Wertverbesserungszuschlag" enthält das
Mieterhöhungsverlangen der Klägerin kein stillschweigendes Angebot zur
vertraglichen Änderung der Mietstruktur; dies ergibt sich bereits daraus, dass
die Klägerin in ihrem Mieterhöhungsverlangen ausdrücklich davon ausgeht, dass
dieser Zuschlag "wie bisher" weitergezahlt werden soll.
aa) Allerdings beanstandet die Revisionserwiderung in diesem Zusammenhang zu
Recht, dass die Klägerin diesen Betrag nicht in die Ausgangsmiete eingerechnet
hat. Eine wegen Modernisierung erfolgte Mieterhöhung nach § 559b BGB wird -
ebenso wie eine nach § 558 BGB vorgenommene Mieterhöhung - Bestandteil der
Grundmiete, so dass die erhöhte Miete bei einer späteren Mieterhöhung nach § 558
BGB als die der ortsüblichen Vergleichsmiete gegenüberzustellende Ausgangsmiete
zu Grunde zu legen ist (LG München I, WuM 1996, 43; Schmidt-Futterer/Börstinghaus,
aaO, § 559b Rdnr. 41 m.w.N., Palandt/Weidenkaff, BGB, 66. Aufl., § 559b Rdnr. 4;
Lammel, Wohnraummietrecht, 2. Aufl., § 559b Rdnr. 25). Eine hiervon abweichende
Mietstruktur, bei der die frühere Mieterhöhung in Form eines
Wertverbesserungszuschlags als gesonderter, bei späteren Mieterhöhungen nicht zu
berücksichtigender Betrag neben der Grundmiete erhalten bliebe, kann auch durch
eine Vereinbarung der Mietvertragsparteien nicht erreicht werden. Denn eine
derartige Abrede gäbe dem Vermieter die Möglichkeit zur Erhöhung der Miete über
den durch § 558 BGB vorgegebenen Rahmen hinaus und wäre deshalb als eine den
Mieter benachteiligende Vereinbarung gemäß § 558 Abs. 6 BGB (früher § 10 Abs. 1
Miethöhegesetz) unwirksam. Es ist deshalb unerheblich, ob die Parteien
anlässlich der im Jahr 1995 erfolgten Mieterhöhung eine dahingehende Änderung
der Mietstruktur vereinbart haben. Die Klägerin hätte den
Wertverbesserungszuschlag mithin in die Ausgangsmiete und die verlangte erhöhte
Miete einrechnen müssen.
bb) Die Nichteinrechnung der früheren Mieterhöhung in die Ausgangsmiete und die
erhöhte Miete führt jedoch nicht zur formellen Unwirksamkeit des
Mieterhöhungsverlangens vom 28. Oktober 2004.
§ 558a BGB legt die formalen Anforderungen fest, die an ein wirksames
Mieterhöhungsverlangen zu stellen sind. Davon unabhängig ist die Frage, ob die
im Zustimmungsverlangen geforderte Miete der Höhe nach (materiell) berechtigt
ist. Mit der Begründung des Mieterhöhungsverlangens sollen dem Mieter im
Interesse einer außergerichtlichen Einigung die tatsächlichen Angaben zur
Verfügung gestellt werden, die er zur Prüfung einer vom Vermieter gemäß § 558
BGB begehrten Mieterhöhung benötigt, also etwa die Angabe der ortsüblichen
Vergleichsmiete (Mietspanne) und bei Bezugnahme auf einen Mietspiegel die
Einordnung der Wohnung in die betreffende Kategorie des Mietspiegels (vgl.
Senatsurteil vom 12. November 2003 - VIII ZR 52/03, NJW 2004, 1379, unter II 2
b). Inhaltliche Fehler des Mieterhöhungsbegehrens führen demgegenüber nicht zu
dessen formeller Unwirksamkeit und zur Unzulässigkeit einer vom Vermieter
daraufhin erhobenen Zustimmungsklage, sondern sind im Rahmen der Begründetheit
zu prüfen (vgl. Senatsurteile vom 12. November 2003, aaO, unter II 2 b, c, zur
Überschreitung der Mietspiegelspanne im Mieterhöhungsverlangen sowie vom 19.
Juli 2006 - VIII ZR 212/05, NJW-RR 2006, 1305, unter II 2 a, b, zur Erhöhung
einer der Heizkostenverordnung widersprechenden Bruttowarmmiete). Dies gilt auch
für die hier unterbliebene Einrechnung des Wertverbesserungszuschlags in die
Miete.
4. Der Anspruch der Klägerin auf Zustimmung zu einer Erhöhung der
Teilinklusivmiete um 115,10 EUR ist auch materiell begründet. Denn die Klägerin
hat in ihrem Mieterhöhungsverlangen vom 28. Oktober 2004 die Jahresfrist des §
558 Abs. 1 Satz 2 BGB, die 15-monatige Wartefrist gemäß § 558 Abs. 1 Satz 1 BGB
sowie die Kappungsgrenze des § 558 Abs. 3 BGB beachtet, und die erhöhte Miete
liegt noch unter der ortsüblichen Vergleichsmiete von 5,80 EUR je qm. Auch die
erhöhte (Teilinklusiv-)Miete beläuft sich nämlich einschließlich des
Wertverbesserungszuschlags auf 726,86 EUR, was bei der Wohnungsgröße von 138,96
qm einem Betrag von nur 5,23 EUR je qm entspricht.
III.
Das Berufungsurteil ist somit aufzuheben (§ 562 Abs. 1 ZPO). Der Senat kann in
der Sache selbst entscheiden, da der Rechtsstreit zur Endentscheidung reif ist
(§ 563 Abs. 3 ZPO). Die Berufung der Beklagten gegen das Urteil des Amtsgerichts
Düsseldorf ist zurückzuweisen.